Paris war für mich nie einfach nur ein Reiseziel. Diese Stadt war über Jahre eine offene Rechnung.
2026 war meine dritte Reise nach Paris – aber die erste, auf der ich wirklich fotografieren konnte. 2017 war ich mit einem defekten Handy dort, dessen Touchscreen ständig ausfiel. 2022 hatte ich Kamera und Stativ dabei, aber keine Schnellwechselplatte. Kamera und Stativ waren da, aber zusammen nicht nutzbar. Auch diese Reise endete ohne die Bilder, die ich mir erhofft hatte.
Diesmal sollte es anders werden.
Gemeinsam mit meiner Verlobten wollte ich nach Paris fahren, ihren Geburtstag dort feiern und die Reise zu etwas machen, das uns lange in Erinnerung bleibt. Für mich war es nicht nur ein Städtetrip, sondern endlich die Chance, Aufnahmen aus einer Stadt zu machen, die ich seit Jahren für eine der schönsten Europas halte.
Ich bereitete mich diesmal präziser vor als je zuvor. Equipment komplett geprüft, mögliche Standorte herausgesucht, Lichtstimmungen nach Tageszeit geplant, Ersatzideen notiert. Rückblickend war das sinnvoll – aber Paris hat schnell gezeigt, dass sich dort trotzdem fast nichts so umsetzen lässt, wie man es sich vorher vorstellt. Aussichtspunkte waren geschlossen, Stative an den besten Orten verboten, und an den klassischen Spots machten Menschenmassen jede ruhige Aufnahme unmöglich.
Genau deshalb wurde diese Reise fotografisch so interessant.
Tag 1 – Anreise und ein stiller Start
Die Hinfahrt war voller Vorfreude. Im Kopf war schon vieles geplant, der erste Abend sollte direkt für leichte Aufnahmen genutzt werden.
In der Realität waren wir nach der langen Fahrt schlicht zu erschöpft.
Das war zuerst frustrierend. Gleichzeitig war es im Nachhinein ein passender Auftakt: Paris ließ sich nicht erzwingen. Die Stadt würde ihr eigenes Tempo vorgeben.
Tag 2 – Regen am Eiffelturm und die erste starke Idee
Am zweiten Tag fuhren wir zum Eiffelturm. Das Wetter war bewölkt angekündigt – für April eigentlich in Ordnung. Doch aus einem leichten Tröpfeln wurde schnell ein richtiger Regenschauer. Der Turm verschwand nach oben hin im Wolkenteppich, und unsere Laune sank mit jedem Meter.
Irgendwann suchten wir Schutz in einem Café und warteten ab.
Kurz darauf ging die Sonne unter – und genau in diesem Moment entstand die erste wirklich starke Idee dieser Reise.
Seit Jahren hatte ich ein Bild im Kopf: den Arc de Triomphe aus größerer Entfernung, mit den Champs-Élysées davor, als Langzeitbelichtung mit den chaotischen Pariser Lichtspuren. Wegen des Regens würden sich die Lichter zusätzlich auf der nassen Straße spiegeln. Ich baute mein Setup auf:
Tamron SP 70–200mm f/2.8 auf der Nikon D850, montiert auf dem Rollei Lion Rock Pro . Dazu ein Haida ND64-Filter, um die Belichtungszeit so weit zu strecken, dass der Verkehr zu reinen Lichtspuren zerfällt – aus ungefähr 1,5 Kilometern Entfernung.
Schon die erste Aufnahme war ein Schlüsselmoment. Die Autos wirkten nicht mehr wie gewöhnlicher Verkehr. Die Lichtspuren hatten etwas fast Feierndes. Es sah nicht nach Straße aus, sondern nach Energie und Bewegung. In diesem Moment wusste ich: Das ist keine Einzelaufnahme. Daraus kann eine Serie werden.
Leider fing es wieder stark an zu regnen und wir mussten zurück. Durchnässt, aber mit einer klaren Idee im Kopf.
Eine Nacht, die sich länger anfühlte
In derselben Nacht musste ich noch kurz los – Richtung Saint-Denis, Lebensmittel besorgen, kurz vor Mitternacht.
Ich hatte mich vorher über die Gegend informiert. Um 22:50 Uhr allein dort unterwegs zu sein war kein besonders angenehmes Gefühl. Der Weg vom Hotel wirkte trostlos, der Gehweg war kaum einer, überall Erde und Müll. Gleichzeitig ließ sich die fotografische Wahrnehmung nicht abschalten: Im Fluss spiegelte sich ein Kraftwerk, dahinter türmten sich Hochhäuser auf. Eine fast filmische Szene – und trotzdem der falsche Moment dafür.
Ich kaufte zwei Nudelboxen und ging zügig zurück. Es passierte nichts. Aber dieses mulmige Gefühl blieb eine Weile.
Tag 3 – Zweiter Versuch am Arc de Triomphe und La Défense bei Nacht
Am nächsten Tag ging ich den Arc de Triomphe erneut an – diesmal mit besserer Position, besserem Licht und mehr Geduld. Der Triumphbogen lag nicht mehr im Nebel, die Lichttrennung funktionierte deutlich klarer. Das Bild wurde näher an dem, was ich seit Jahren im Kopf hatte.
In der Nacht erfüllte ich mir dann einen zweiten lang gehegten Wunsch.
Als ich 2017 zum ersten Mal in Paris war, hatte ich vom Eiffelturm aus das Geschäftsviertel La Défense gesehen – diese Ansammlung riesiger Hochhäuser hatte mich sofort fasziniert. Jetzt war ich endlich mit Kamera dort.
Mit dem Nikkor 14–24mm f/2.8 lief ich zwischen den Wolkenkratzern. Das Ultraweitwinkel aus tiefer Froschperspektive macht aus Architektur etwas fast Unwirkliches – die Größenverhältnisse, die Enge zwischen den Gebäuden, die Glasfassaden die den tiefblauen Nachthimmel schlucken. Manche Perspektiven kann man nicht wirklich planen. Man muss einfach dort stehen, nach oben schauen und verstehen, was der Ort gerade anbietet.
Tag 4 – Bewusste Pause
Nach den ersten intensiven Tagen war die Erschöpfung deutlich spürbar. Wir blieben im Apartment.
Das klingt unspektakulär, gehört aber zur Realität solcher Reisen dazu. Wenn Fotografie ständig mitläuft, wird aus einem normalen Urlaub schnell eine Mischung aus Arbeit, Konzentration und körperlicher Belastung. Paris ist dafür kein leichter Ort. Die Stadt ist groß, laut, voll und oft anstrengend. Pausen sind dort kein Luxus, sondern notwendig.
Tag 5 – Geburtstag und endlich der richtige Eiffelturm-Moment
Am fünften Tag hatte meine Verlobte Geburtstag. Das Wetter war endlich sonnig – nach dem bisherigen Verlauf fast unwirklich.
Wir verbrachten viel Zeit in den Seitenstraßen rund um den Eiffelturm. Paris zeigt dabei erneut sein fotografisches Grundproblem: Überall Gedränge, überall dieselben Spots, überall Unruhe. Nach ungefähr einer Stunde fanden wir dann doch einen ruhigeren Ort, weit genug weg vom typischen Trubel. Dort hatte der Eiffelturm endlich Platz zum Atmen.
Das Licht wurde weicher, die Sonne näherte sich den Stahlträgern. Mit dem Tamron 70–200mm entstanden Detailaufnahmen, bei denen das warme Abendlicht die Struktur des Turms förmlich zum Glühen brachte – eingefasst von den Pariser Hausfassaden der Seitenstraßen. Zum ersten Mal auf dieser Reise passte an einem klassischen Paris-Motiv wirklich alles zusammen.
Der Abend am Arc de Triomphe – drei Versuche, ein Ergebnis
Am selben Abend zurück zur Champs-Élysées. Dieser Ort war der wichtigste Punkt meiner geplanten Lichtspuren-Serie.
Versuch eins: oben auf dem Triumphbogen. Mein Rucksack überschritt eigentlich die erlaubte Größe, aber ich kam trotzdem hinein. Kleiner Sieg. Ich stellte mich oben hin, wollte Langzeitbelichtungen aus der Höhe aufnehmen – und wurde kurz darauf von Mitarbeitern aufgefordert, das Stativ abzubauen.
Versuch zwei: direkt am Kreisverkehr rund um den Arc. Der gehört zu den chaotischsten Verkehrsflächen Europas, visuell extrem spannend. Ich testete den Haida ND1000-Filter um die langen Belichtungszeiten zu erreichen, die dieses Chaos in reine Energie verwandeln. Als es ernst wurde, kamen zwei Polizisten. Kein Englisch, klare Geste: Stativ weg.
Danach suchte ich weiter nach einer Perspektive für den Triumphbogen. Auf der anderen Straßenseite wurde ich glücklicherweise nicht erneut von der Polizei gestoppt. Die Position war schwieriger als gedacht. Anfangs waren die Lichtspuren nicht klar genug, die Staffelung funktionierte nicht richtig, und die Höhe passte auch noch nicht. Ich brauchte ungefähr eine Stunde, bis alles so saß, wie ich es wollte.
Die Lösung war am Ende eine Verkehrsinsel auf der Avenue de la Grande Armée in Richtung La Défense.
Von dort trafen die weißen Lichter der ausfahrenden Fahrzeuge auf die roten Lichter der einfahrenden und durchfahrenden Autos. Genau dieses Zusammentreffen machte die Szene stark. Für eine einzelne Aufnahme musste ich ungefähr sieben Minuten warten. Insgesamt brauchte ich sechs Belichtungen für das Panorama – drei für die untere Hälfte und drei für die obere.
Das Ergebnis war am Ende genau die Art von Bild, die ich in Paris unbedingt haben wollte.
Tag 6 – Metro, Brutalismus und eine unerwartete Serie
Am sechsten Tag wollten wir den Louvre besichtigen. Durch eine Sperrung dauerte der Weg länger als geplant – und führte uns durch eine Metrostation aus den 70ern, fast brutalistisch, weiß-orangefarbene Elemente, Tageslicht das von oben durch ein Dachfenster fiel und sich mit dem künstlichen Licht mischte.
Was als spontane Aufnahme begann, wurde schnell zu einer kleinen experimentellen Serie. Unscharfe, abstrakte Langzeitbelichtungen der einfahrenden Bahnen. Mal mit Türrahmen als Vordergrund, mal mit sehr hoher ISO für sichtbare Strukturen und Graffiti im Tunnel, mal mit Reinzoomen während der Aufnahme für mehrere Bewegungsarten gleichzeitig.
Als die Metro über die Seine fuhr und ich die Hochhäuser in der Bewegung einfangen konnte – das war einer der schönsten fotografischen Momente der ganzen Reise. Ungeplant, plötzlich da, und stimmig.
Am Louvre angekommen war die Wartezeit absurd lang. Wir gingen stattdessen in einen Park und genossen das Wetter.
Später fuhren wir noch nach Montmartre. Sehr schöne Häuser, tolle Ausblicke, aber gleichzeitig so voll, dass man den Ort kaum genießen konnte. Man musste mehr ausweichen als schauen. Deshalb ging es relativ schnell zurück.
Abends nochmals nach La Défense – diesmal mit dem Tamron 70-200mm f/2.8 für mittlere Perspektiven und gezielten Detailaufnahmen der Grande Arche. Besonders faszinierten mich die Abstände zwischen manchen Türmen – teilweise nur wenige Meter Enge zwischen Hunderten Metern Glas und Stahl.
Nach sieben Tagen voller Wege, Planung, Improvisation und Konzentration war meine Energie jedoch fast vollständig aufgebraucht. Irgendwann merkte ich, dass ich kaum noch richtig scharf sehen konnte. Ich schaffte es gerade noch mit letzter Kraft zurück zum Auto.
Tag 7 – Rückfahrt und ein absurder Abschluss
Nach sieben Tagen freuten wir uns ehrlich gesagt auch wieder auf Düsseldorf. Auf Ruhe, auf Verlässlichkeit, auf das Gefühl, aus diesem Pariser Dauerstrom herauszukommen.
Ganz vorbei war das Chaos aber noch nicht.
Schon auf der Hinfahrt hatte die CNG-Tankstelle Probleme gemacht. Auf der Rückfahrt brach der Tankvorgang immer nach 0,5 Litern ab. Wir verloren 45 Minuten, bekamen kaum Reichweite und improvisierten danach alle 100 Kilometer. Mit mehreren Tankstopps, knapper Kalkulation und einer Ankunft um 20:55 Uhr schafften wir es noch rechtzeitig nach Hause – Bayern gegen Real Madrid, 21:00 Uhr Anstoß.
Ein absurder, aber irgendwie passender Abschluss für eine Reise, die ohnehin nie nach Plan verlief.
Fazit – Paris gab mir keine perfekten Bedingungen, aber genau deshalb gute Bilder
Paris war auf dieser Reise nicht die elegante Traumkulisse, die man sich vorher ausmalt. Die Stadt war regnerisch, überfüllt, laut, unberechenbar. Aussichtspunkte geschlossen, Stative verboten, Menschenmassen allgegenwärtig. 90% meiner vorbereiteten Ideen musste ich unterwegs verwerfen.
Gerade das machte diese Reise fotografisch wertvoll.
Die stärksten Bilder entstanden nicht weil alles perfekt war, sondern weil ich gezwungen war, mich ständig neu anzupassen. Weitermachen obwohl vieles dagegen sprach. Improvisation statt Plan.
Nach zwei gescheiterten Paris-Reisen sind diesmal zum ersten Mal Aufnahmen entstanden, mit denen ich wirklich zufrieden bin. Nicht nur weil sie die Stadt zeigen, sondern weil sie auch vermitteln, wie sich diese Reise angefühlt hat: intensiv, widersprüchlich, erschöpfend, chaotisch – und voller Energie.
Equipment auf dieser Reise:
- Nikon D850
- Nikkor 14–24mm f/2.8 (La Défense, Weitwinkel-Architektur)
- Nikkor 24–70mm f/2.8 (Standardaufnahmen, vielseitig)
- Tamron SP 70–200mm f/2.8 (Arc de Triomphe, Eiffelturm-Details, Telekompressen)
- Rollei Lion Rock Pro Stativ mit verstellbarer Mittelsäule, Niveliieradapter und L-Winkel
- Haida ND-Filter: ND8, ND64, ND1000 (schraubbar)
- Rollei Fotoliner L (Nicht empfehlenswert)
Du planst selbst eine Fototour durch eine europäische Stadt? Dann schau dir meinen ausführlichen Beitrag zu den besten Fotospots in Düsseldorf an – meiner Heimatstadt, die ich als Düsseldorfer Fotograf in – und auswendig kenne. Mit Geheimtipps, genauen Standorten und Beispielbildern, die du sonst nirgendwo findest. Düsseldorf lohnt sich als Fototour und Reiseziel definitiv.
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